Lübeck ist erste Fairtrade-Stadt im Land und wir sind dabei!

Am 30. November erhielt die Hansestadt Lübeck ihren offiziellen Status als Fairtrade-Stadt. Die feierliche Übergabe der Urkunde dokumentierte, dass Lübeck alle Kriterien erfüllt hat (zu den Vergabe-Kriterien www.fairtrade-deutschland.de) …

Weltweit gibt es bereits 1000 Fairtrade Towns – in Schleswig-Holstein geht Lübeck mit gutem Beispiel voran. Ein Erfolg, den wir zusammen mit 12 anderen Organisationen der Gruppe „Faire Stadt“ angesteuert haben …
Frau Dr. Antje Peters-Hirt sagte es gleich zu Beginn: Transparenz und Bekämpfung der Armut sind zentrale Anliegen, die die Siegel-Organisation TransFair seit 2001 antreibt, weltweit ihr Anliegen zu „fair-handeln“. Dass Lübeck sich diesen fairen Zielen jetzt auch offiziell anschließt, sei ein „wichtiger Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel“.

Vom Verbraucher zum Fair-Braucher

Dass Bewusstsein für faires Handeln nicht vom Himmel fällt, machte Bürgermeister Bernd Saxe deutlich: Auch bei ihm bedurfte es erst einmal einiger Überzeugungsarbeit, um die weitreichenden Konsequenzen unfairen Handelns zu realisieren. Er dankte deshalb explizit dem Sprecher der Steuerungsgruppe Faire Stadt, Horst Hesse von terre des hommes, dafür, dass „er ihn immer wieder informiert, ja, dass er ihn indoktriniert habe mit den Grundsätzen fairen Handelns.“

Niedrige Preise sind ein zu hoher Preis für die Menschheit

Die Tatsache, dass Verbraucher primär nach billigen Produkten greifen, ist nur schwer zu ändern: „Wir fordern von den Entwicklungsländern good governance ein“, kommentierte Harald Bach, Referent für Entwicklungszusammenarbeit, „gleichzeitig konterkarierten wir die Ansprüche an faires Regierungsverhalten durch unser Konsumverhalten gleich wieder selbst.“ Das Wissen um globale Zusammenhänge sei daher ein wichtiger Schritt in Richtung auf ein Verbraucherverhalten, das nicht nur den Preis sondern auch den Wert einer Ware als wichtigste Kauf-Entscheidung ins Bewusstsein rückt.

Der lange Weg in die Mitte der Gesellschaft

Was wir am Mittwoch im Audienzsaal des Lübecker Rathauses als Erfolg gefeiert haben, stand nicht immer im Blickpunkt der Gesellschaft: Horst Hesse war von Anfang an dabei und erinnert sich, wie sich der Gedanke des fairen Handels in den 70er Jahren von einer kleinen Initiative im Grünen Gang, über Kirchen- und Weltgruppen ausbreitete und heute in Lübeck u. a. durch 31 Einzelhandels-Geschäfte und 16 gastronomische Betriebe repräsentiert wird. Dennoch: Der Anteil fair gehandelter Produkte am Gesamtmarkt ist immer noch gering. Daher sind die unstrittigen Erfolge nicht nur ein Grund zur Freude, sondern auch ein Grund, das eigene Konsumverhalten weiterhin auf die Grundsätze fairen Handels einzustimmen.

Bananen für 69 Cent – das geht nicht!

Eigentlich kein Wunder, dass Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair, in seiner Rede den Bogen zur Hanse schlug. Schließlich zählte Köln im Mittelalter zu den Hansestädten – und für die zählten die Produkte mehr, als sich im bloßen Geldwert errechnen ließ. Fernhandels-Güter waren, je weiter sie gereist kamen, umso wertvoller. Heute können die Güter aus fernen Ländern zu Dumping-Preisen angeboten werden, weil sie unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert, schlecht bezahlt und über unfairen Zwischenhandel vertrieben werden. „Das funktioniert u. a. deshalb“, betont Herr Overath, „weil man den Produkten nicht ansieht unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden.“

„ALDI Süd haben wir schon geknackt…“

Wir alle machen gerne Schnäppchen und dafür sind u. a. Discounter der ideale Markt. Deutsche Verbraucher dazu zu bringen, auf den Einkauf beim Billiganbieter zu verzichten, ist etwa so erfolversprechend, wie Bananen zu begradigen. Daher ist TransFair auch bei ALDI & Co. vorstellig geworden. „Nach zähen Verandlungen haben wir ALDI Süd geknackt“, so Overath. Der Dumping-Gigant listet jetzt fair gehandelte Produkte. Für die Produzenten ist das ein enormer Erfolg. Bei dem Overath nicht stehen bleiben will: „ALDI Nord knacken wir auch noch…“

Die Erde und die Vertreter von Mars

Nicht nur für Konsumenten ist ein Plus an Wissen der beste Weg zum fairen Verhalten – auch für Produzenten gilt der Satz: „Wissen ist Macht“! Gerade aus Ghana wiedergekommen, beschreibt Overath, wie entscheidend es z. B. für Kakao-Produzenten ist, zu wissen, was ihre Ware wirklich wert ist. Mit Hilfe von TransFair können sich Produzenten vor Ort per Computer über die Weltmarktpreise informieren. Bei den Kakaolieferungen für Marsriegel rutschen sie dabei von der Position eines Bittstellers in die eines selbstbewussten Anbieters. So wie es Marsriegel ohne Kakao nach irdischen Gesetzen nicht geben kann, ist es das Ziel globaler Transparenz, Ausbeutung unmöglich werden zu lassen.
Zum Schluss: Fair-Kostung für alle
Wir geben Herrn Overath recht: Bei allem Engagement sollte niemandem der Genuss vermiest werden: „Man muss nicht erst 10 Minuten über Armut diskutieren, bevor man in eine Banane beißen darf.“ Die engagierten Statements verdarben dennoch niemandem den Appetit auf das Buffet, das von Lübecker Fairtrade-Teilnehmern an diesem Abend serviert wurde. Der Abend blieb so bis zum Schluss reiner Genuss!

…und wofür steht das Fairtrade-Siegel nun genau?

Das Fairtrade-Siegel wird von dem unabhängigen Verein TransFair vergeben. Übergreifendes Ziel des Vereins ist die Förderung und Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten ProduzentInnen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die 35 Mitglieder des Vereins kommen aus den Bereichen Kirche, Umwelt, Soziales, Verbraucherschutz und Entwicklungspolitik.

Das Fairtrade-Siegel kennen inzwischen mehr als 45 Prozent der BundesbürgerInnen. Auch in Supermärkten und Discountern ist es häufig zu sehen. Über 1, 6 Millionen BäuerInnen und ArbeiterInnen von rund 720 Bauernkooperativen und Plantagen in insgesamt 59 Ländern profitieren inzwischen von ihm.

Was hat Fair mit Nachhaltigkeit und Bio zu tun?

Fair zu handeln, bedeutet nachhaltig zu handeln; wobei alle drei Pfeiler der Nachhaltigkeit bedient werden – der soziale, der ökologische und der ökonomische Aspekt.
Bio und Fair sind nicht dasselbe: Nicht alle Bio-Waren sind fair gehandelt – und nicht alle fair gehandelten Produkte sind von Bio-Qualität. Nichtsdestotrotz stammen rund 65 % der fair gehandelten Waren inzwischen aus ökologischem Anbau.

Mehr über Fairtrade-gesiegelte Produkte, Anbieter und Verkaufsstellen: www.transfair.org

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